Sehr verehrte Besucherinnen und Besucher, liebe Gäste, liebe Gestalterinnen und Gestalter des Festes der Begegnung der Johannischen Kirche!
Wir freuen uns sehr, dass Sie und ihr alle heute zu uns gekommen seid oder noch kommen werdet. Wir freuen uns außerordentlich über unsere Ehrengäste, dass Sie uns Ihre Aufmerksamkeit schenken und uns damit wertschätzen. Ein herzliches Willkommen allen in der Gemeinschaft der Johannischen Kirche!
Mit dem heutigen Fest, welches innerhalb der johannischen Kirchentagswoche den Höhepunkt im Jubiläumsjahr unseres 100-jährigen Bestehens bildet, möchten wir gern mit vielen Menschen in Kontakt und in die Begegnung kommen. In der Begegnung, im Gespräch, im Kennenlernen liegt die Chance, eine gegenseitige Achtung aufzubauen. Daraus kann wiederum Frieden erwachsen, den wir uns alle doch von Herzen wünschen.
Wenn wir die Weltgeschicke sehen, sind wir meist erschrocken, dass wir als Menschheit es oft nicht schaffen, in Frieden zu leben. Auch vor unserer jeweiligen Haustür ist es oft nicht möglich, in Frieden und gegenseitigem Respekt zu leben. Wir gehen mit uns gegenseitig so um, als ob wir keine Liebe mehr in uns tragen; wir werden zueinander hart bis schroff und lehnen uns gegenseitig ab. Doch das muss und soll nicht so sein! Wir können dem gemeinsam entgegenwirken – als Einzelne und Einzelner und als Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist für uns unsere Johannische Kirche, doch wofür steht sie, und welche Werte vertritt sie?
Wir stehen ein für die Lehren Jesu Christi und Joseph Weißenbergs. Gott ist für uns der Inbegriff der Liebe. Wir bemühen uns um das Ziel der Überbrückung aller Konfessionen und Religionen durch diese Liebe. Das schließt die Hinwendung zu Menschen ohne Religionszugehörigkeit und -bindung selbstverständlich mit ein. Deswegen stehen wir aktiv ein für Religions- und Meinungsfreiheit sowie für gemeinschaftliche Vielfalt. Dem gegenüber stehen wir jeglicher Form von Rassismus, religiöser Intoleranz, Ausgrenzung, Herabsetzung der Menschenwürde sowie bewusster Verunsicherung entgegen.
Das Werk Joseph Weißenbergs umfasst neben der geistigen Lehre aus der Bibel die praktische Anwendung im Alltag und im ganz normalen irdischen Miteinander. Deshalb entstanden unsere Gemeinden und auch die Friedensstadt. Die Friedensstadt ist hier vor Ort, doch sie ist auch für die entfernten Mitglieder der Johannischen Kirche ihre Friedensstadt. Sie entsteht hier und ist dennoch für viele von uns eine Friedensstadt „To Go“. Wir tragen sie im Herzen. Materiell geschehen hier die Dinge vor unseren Augen, doch für uns passiert stets etwas Geistiges dabei. Friedensstadt ist ein geistiger Zustand, den wir überall hin mitnehmen können. Schaffen wir hier Frieden, kann dieser mitgenommen und vermehrt werden. Es kann das gelobte Land sein, das Gott uns Menschen zugesagt hat oder das wir Menschen sehnsuchtsvoll suchen. Das Land ist also da. Jetzt liegt es an unserem Reifezustand, Frieden zu leben. Friedensstadt ist Beispiel und ist überall dort, wo wir sind und das leben.
In der Umsetzung gelingt uns manchmal etwas ganz gut, und ein andermal merken wir, dass wir Fehltritte machen und Menschen verärgern. Wir erkennen, dass wir in unserem Handeln nicht immer verstanden werden, oder wir bemerken, dass wir die Haltung und Lebenserfahrung des Nächsten gar nicht kennen. Doch Begegnungen und Gespräche führen zum Glück meistens dazu, dass gemeinsame Wege gefunden werden. Alle unsere Verantwortlichen setzen sich dafür ein, dass die Ziele, die uns Joseph Weißenberg gegeben hat, weiterverfolgt werden. Allerdings gibt es in der Definition dieser Ziele für die heutige Zeit unterschiedliche Meinungen – auch innerhalb unserer Gemeinschaft. Doch wir versuchen, so lange miteinander im Gespräch zu bleiben, bis alle einen Weg, vielleicht aus der jeweiligen Sichtweise nicht unbedingt der beste, mittragen können.
Wir empfinden diese Ziele in gewisser Weise als Himmelsziele. Diese sollen immer unter Berücksichtigung der geltenden weltlichen Ordnungen und der Prioritäten unserer Gesellschaft umgesetzt werden. Da bleiben sicherlich Vorhaben auch einmal auf der Strecke, oder einiges verzögert sich. Wir möchten deshalb dieses Fest der Begegnung auch nutzen, um uns für allen empfundenen Ärger, den wir durch unser Handeln bei einem Mitmenschen hervorgerufen haben, zu entschuldigen. Wir bitten um Verzeihung. Wir versichern, dass wir niemals aus böser Absicht handeln oder aus bloßem Streben nach wirtschaftlichem Vorteil. Uns liegt es am Herzen, Orte des Friedens und der Eintracht in Gottes Sinne zu errichten, wo ein Mensch dem und der anderen zur Seite steht.
Solches Engagement füreinander findet gerade im Ehrenamt statt, und ohne Ehrenamt ist auch unser Kirchenleben nicht möglich. Unsere rund 50 hauptamtlichen Mitarbeitenden schaffen die organisatorische und strukturelle Grundlage, damit sich die Ehrenamtlichen überall mit voller Kraft einbringen können. In vielen anderen Branchen könnten unsere Mitarbeitenden vermutlich ein deutlich höheres Einkommen erzielen. Dennoch entscheiden sie sich bewusst für die Arbeit in der Kirche. Die Ehrenamtlichen sind tätig in der Betreuung von Menschen und wenden sich ihnen liebevoll zu. Dafür möchten wir heute allen von Herzen danken: Danke all ihr Heferinnen und Helfer in dieser Kirchengemeinschaft! Wir sind begeistert und beeindruckt von eurer Liebe und von all dem, was daraus wächst: eure Taten, eure Gedanken und euer beständiger Einsatz für eure Mitmenschen.
Liebe Anwesende! Wir möchten gemeinsam Orte des Friedens schaffen, die allen Menschen offenstehen und die die Möglichkeit bieten, Gott zu empfinden. Wir glauben an ein ewiges Leben. Wir glauben daran, dass unsere ewige Seele in diesem Sinne reifen möchte, damit sie frei wird von allem Unguten, allem Egoismus, allem Neid. Dann wird sie reif in Gott und kehrt zu ihm nach Hause zurück. Auf diesem Weg und durch diesen Reifeprozess hindurch möchte die Johannische Kirche unterstützen und Möglichkeiten anbieten.
Sind wir damit weltfremd? Ja. Das kann man sagen, wenn Gott in einer Gesellschaft nicht mehr anerkannt wird. Ja, wenn Lieblosigkeit im Zusammenleben normal und gesellschaftsfähig wird. Ja, wenn ein Ewigkeitsdenken als Dummheit angesehen wird.
Nein, wenn wir Glaube und Spiritualität als grundlegende Wesenszüge von uns Menschen empfinden. Nein, wenn wir überzeugt sind, dass in uns allen die Sehnsucht nach einer friedvollen Gemeinschaft wirkt. Nein, wenn wir glauben, dass Friede unsere Herzen erfüllen kann.
Wir sehen viele wunderbare Initiativen und Glaubensgemeinschaften, die – wie wir – aus dem Glauben an einen liebenden Gott heraus Kraft zum Leben schöpfen und den Nächsten als wertvolles Gottesgeschöpf annehmen. Dafür sind wir dankbar. Gott schenke uns allen seinen Schutz und Segen, heute – und jeden Tag. Lasst uns einander begegnen und Frieden leben.


























































































