Rückblick auf das Fest der Begegnung und die Jubi-Night in der Friedensstadt zum Jubiläum 100 Jahre Johannische Kirche

Das Fest der Begegnung setzt starkes Zeichen für Vielfalt und Gemeinschaft

Stände der „Bremer Stadtmusikanten“ und des Blankenseer Musiksommers; Wraps und Berliner Luft, Halberstädter Würstchen oder hessische Spezialitäten; Ansprechpartner aus dem Hospizbereich, aus den Kirchengemeinden, der Stadt Trebbin und vieles mehr: Das „Fest der Begegnung“ der Johannischen Kirche machte am Sonnabend, dem 29. August, seinem Namen alle Ehre.

Bereits am Vorabend heizte das Rockkonzert „Jubi‑Night“ kräftig ein. Neben verschiedenen kulinarischen Highlights gab es Musik von „Last Day of July“, „CelebrationTime“, „Flugmodus“ und zum Abschluss von DJ „TwoMagics“. Schon hier zeigte sich, welche Publikumsmagnete solche regionalen Events sind – zumal einige Bands einen starken Heimvorteil hatten.

Nach einer kurzen Nacht begann das Fest um 11 Uhr mit der Begrüßung der Anwesenden durch die Kirchenleitung, Daniel Stolpe und Stefan Tzschentke. Es folgten Grußworte der Landesregierung Brandenburgs durch Staatssekretär Dr. Johannes Wagner, des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Kai Wegner (verlesen), des Kreises Teltow‑Fläming durch den Beigeordneten Björn Christian Paterok sowie der Stadt Trebbin durch Bürgermeister Ronny Haase. Der Tenor ihrer Worte war, wie wichtig solche Begegnungsmöglichkeiten seien und dass die Johannische Kirche in der Region eine verlässliche und geschätzte Partnerin sei. Mit den Ausführungen von Andreas Kaczynski, Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Landesverbandes Brandenburg, der das soziale Engagement der Johannischen Kirche und ihrer Mitglieder hervorhob und daran erinnerte, dass das Johannische Sozialwerk Gründungsmitglied des Landesverbandes in Brandenburg sei, endete der Festakt. Musikalisch wurde er hervorragend vom Landesjugendorchester Brandenburg begleitet.

Anschließend informierten sich die Ehrengäste – unter ihnen auch Vertreter der ältesten islamischen Moschee Deutschlands, der Unitarischen Kirche und der evangelischen Kirche in Trebbin – bei einem Rundgang über den Stand der laufenden oder geplanten Projekte in der Friedensstadt. Besonders interessierte der Besuch der Kindertagesstätte Friedensstadt, die sich zur Kneipp‑Kita qualifizieren will und demnächst ein Außenkneippbecken für die Kinder erhalten wird.

Das Fest der Begegnung war einer der Höhepunkte des johannischen Kirchentags im Jubiläumsjahr. Zeit und Raum für Begegnung gab es für die rund 3500 Besucherinnen und Besucher reichlich: Der Innenbereich der Friedensstadt präsentierte sich als kleine Festmeile mit großer Bühne, Informationszelt und Ständen, soweit das Auge reichte. Gegenüber dem Heizwerk setzte sich der Reigen der Stände fort, und auf der südlichen Wiese fanden sowohl eine weitere Bühne als auch das große Festzelt der Stadt Trebbin ausreichend Platz.

Kunsthandwerk, Bastelkurse, Kinderfest, Fußballturnier und weitere Aktionen sorgten bis 18 Uhr für Abwechslung und erfreuten die Gäste aus nah und fern. Auf den zwei Bühnen lief bis in den Abend ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, unter anderem mit „SambaFieber“, dem Blasorchester Stücken sowie dem „Julian Badaruta Quintett“ mit professionellen Tango‑Tänzerinnen und ‑Tänzern. Zum Abschluss spielte die Trebbiner Band „PR1MET1ME“ und lud zum Tanz ein. Der Einladung folgten viele Gäste noch weit in den Abend hinein. (rg)

Bildeindrücke vom Fest der Begegnung und der Jubi-Night

(Fotos: Christian Kerber & Rainer Gerhardt)

Grußworte der Kirchenleitung und der geladenen Ehrengäste in voller Länge

Grußworte von Stefan Tzschentke und Daniel Stolpe – Kirchenleitung der Johannischen Kirche; von Dr. Johannes Wagner – Staatssekretär in Brandenburg für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt; von Kai Wegner – Regierender Bürgermeister von Berlin (verlesen); von Björn Christian Paterok – Beigeordneter und Leiter des Dezernats III des Landkreises Teltow-Fläming; von Ronny Haase – Bürgermeister von Trebbin; von Andreas Kaczynski – Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Brandenburg e.V.

Grußwort von Stefan Tzschentke und Daniel Stolpe von der Leitung der Johannischen Kirche

Sehr verehrte Besucherinnen und Besucher, liebe Gäste, liebe Gestalterinnen und Gestalter des Festes der Begegnung der Johannischen Kirche!

Wir freuen uns sehr, dass Sie und ihr alle heute zu uns gekommen seid oder noch kommen werdet. Wir freuen uns außerordentlich über unsere Ehrengäste, dass Sie uns Ihre Aufmerksamkeit schenken und uns damit wertschätzen. Ein herzliches Willkommen allen in der Gemeinschaft der Johannischen Kirche!

Mit dem heutigen Fest, welches innerhalb der johannischen Kirchentagswoche den Höhepunkt im Jubiläumsjahr unseres 100-jährigen Bestehens bildet, möchten wir gern mit vielen Menschen in Kontakt und in die Begegnung kommen. In der Begegnung, im Gespräch, im Kennenlernen liegt die Chance, eine gegenseitige Achtung aufzubauen. Daraus kann wiederum Frieden erwachsen, den wir uns alle doch von Herzen wünschen. 

Wenn wir die Weltgeschicke sehen, sind wir meist erschrocken, dass wir als Menschheit es oft nicht schaffen, in Frieden zu leben. Auch vor unserer jeweiligen Haustür ist es oft nicht möglich, in Frieden und gegenseitigem Respekt zu leben. Wir gehen mit uns gegenseitig so um, als ob wir keine Liebe mehr in uns tragen; wir werden zueinander hart bis schroff und lehnen uns gegenseitig ab. Doch das muss und soll nicht so sein! Wir können dem gemeinsam entgegenwirken – als Einzelne und Einzelner und als Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist für uns unsere Johannische Kirche, doch wofür steht sie, und welche Werte vertritt sie?

Wir stehen ein für die Lehren Jesu Christi und Joseph Weißenbergs. Gott ist für uns der Inbegriff der Liebe. Wir bemühen uns um das Ziel der Überbrückung aller Konfessionen und Religionen durch diese Liebe. Das schließt die Hinwendung zu Menschen ohne Religionszugehörigkeit und -bindung selbstverständlich mit ein. Deswegen stehen wir aktiv ein für Religions- und Meinungsfreiheit sowie für gemeinschaftliche Vielfalt. Dem gegenüber stehen wir jeglicher Form von Rassismus, religiöser Intoleranz, Ausgrenzung, Herabsetzung der Menschenwürde sowie bewusster Verunsicherung entgegen. 

Das Werk Joseph Weißenbergs umfasst neben der geistigen Lehre aus der Bibel die praktische Anwendung im Alltag und im ganz normalen irdischen Miteinander. Deshalb entstanden unsere Gemeinden und auch die Friedensstadt. Die Friedensstadt ist hier vor Ort, doch sie ist auch für die entfernten Mitglieder der Johannischen Kirche ihre Friedensstadt. Sie entsteht hier und ist dennoch für viele von uns eine Friedensstadt „To Go“. Wir tragen sie im Herzen. Materiell geschehen hier die Dinge vor unseren Augen, doch für uns passiert stets etwas Geistiges dabei. Friedensstadt ist ein geistiger Zustand, den wir überall hin mitnehmen können. Schaffen wir hier Frieden, kann dieser mitgenommen und vermehrt werden. Es kann das gelobte Land sein, das Gott uns Menschen zugesagt hat oder das wir Menschen sehnsuchtsvoll suchen. Das Land ist also da. Jetzt liegt es an unserem Reifezustand, Frieden zu leben. Friedensstadt ist Beispiel und ist überall dort, wo wir sind und das leben.

In der Umsetzung gelingt uns manchmal etwas ganz gut, und ein andermal merken wir, dass wir Fehltritte machen und Menschen verärgern. Wir erkennen, dass wir in unserem Handeln nicht immer verstanden werden, oder wir bemerken, dass wir die Haltung und Lebenserfahrung des Nächsten gar nicht kennen. Doch Begegnungen und Gespräche führen zum Glück meistens dazu, dass gemeinsame Wege gefunden werden.  Alle unsere Verantwortlichen setzen sich dafür ein, dass die Ziele, die uns Joseph Weißenberg gegeben hat, weiterverfolgt werden. Allerdings gibt es in der Definition dieser Ziele für die heutige Zeit unterschiedliche Meinungen – auch innerhalb unserer Gemeinschaft. Doch wir versuchen, so lange miteinander im Gespräch zu bleiben, bis alle einen Weg, vielleicht aus der jeweiligen Sichtweise nicht unbedingt der beste, mittragen können.

Wir empfinden diese Ziele in gewisser Weise als Himmelsziele. Diese sollen immer unter Berücksichtigung der geltenden weltlichen Ordnungen und der Prioritäten unserer Gesellschaft umgesetzt werden. Da bleiben sicherlich Vorhaben auch einmal auf der Strecke, oder einiges verzögert sich. Wir möchten deshalb dieses Fest der Begegnung auch nutzen, um uns für allen empfundenen Ärger, den wir durch unser Handeln bei einem Mitmenschen hervorgerufen haben, zu entschuldigen. Wir bitten um Verzeihung. Wir versichern, dass wir niemals aus böser Absicht handeln oder aus bloßem Streben nach wirtschaftlichem Vorteil. Uns liegt es am Herzen, Orte des Friedens und der Eintracht in Gottes Sinne zu errichten, wo ein Mensch dem und der anderen zur Seite steht.

Solches Engagement füreinander findet gerade im Ehrenamt statt, und ohne Ehrenamt ist auch unser Kirchenleben nicht möglich. Unsere rund 50 hauptamtlichen Mitarbeitenden schaffen die organisatorische und strukturelle Grundlage, damit sich die Ehrenamtlichen überall mit voller Kraft einbringen können. In vielen anderen Branchen könnten unsere Mitarbeitenden vermutlich ein deutlich höheres Einkommen erzielen. Dennoch entscheiden sie sich bewusst für die Arbeit in der Kirche. Die Ehrenamtlichen sind tätig in der Betreuung von Menschen und wenden sich ihnen liebevoll zu. Dafür möchten wir heute allen von Herzen danken: Danke all ihr Heferinnen und Helfer in dieser Kirchengemeinschaft! Wir sind begeistert und beeindruckt von eurer Liebe und von all dem, was daraus wächst: eure Taten, eure Gedanken und euer beständiger Einsatz für eure Mitmenschen.

Liebe Anwesende! Wir möchten gemeinsam Orte des Friedens schaffen, die allen Menschen offenstehen und die die Möglichkeit bieten, Gott zu empfinden. Wir glauben an ein ewiges Leben. Wir glauben daran, dass unsere ewige Seele in diesem Sinne reifen möchte, damit sie frei wird von allem Unguten, allem Egoismus, allem Neid. Dann wird sie reif in Gott und kehrt zu ihm nach Hause zurück. Auf diesem Weg und durch diesen Reifeprozess hindurch möchte die Johannische Kirche unterstützen und Möglichkeiten anbieten.

Sind wir damit weltfremd? Ja. Das kann man sagen, wenn Gott in einer Gesellschaft nicht mehr anerkannt wird. Ja, wenn Lieblosigkeit im Zusammenleben normal und gesellschaftsfähig wird. Ja, wenn ein Ewigkeitsdenken als Dummheit angesehen wird.

Nein, wenn wir Glaube und Spiritualität als grundlegende Wesenszüge von uns Menschen empfinden. Nein, wenn wir überzeugt sind, dass in uns allen die Sehnsucht nach einer friedvollen Gemeinschaft wirkt. Nein, wenn wir glauben, dass Friede unsere Herzen erfüllen kann.

Wir sehen viele wunderbare Initiativen und Glaubensgemeinschaften, die – wie wir – aus dem Glauben an einen liebenden Gott heraus Kraft zum Leben schöpfen und den Nächsten als wertvolles Gottesgeschöpf annehmen. Dafür sind wir dankbar. Gott schenke uns allen seinen Schutz und Segen, heute – und jeden Tag. Lasst uns einander begegnen und Frieden leben.

Grußwort von Dr. Johannes Wagner – Staatssekretär in Brandenburg für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Liebe Frau Böttcher, liebe Frau Gehde! Vielen Dank für die Anmoderation, auch vielen Dank dafür, dass Sie schon alle begrüßt haben und mir diese Arbeit an dieser Stelle abgenommen haben. Ich danke auch ganz herzlich den Musikern für dieses wunderbare Zwischenspiel, das mir auch geholfen hat, einmal kurz Luft zu holen und die Worte, die Herr Tzschentke und Herr Stolpe uns mit auf den Weg gegeben haben ein bisschen wirken zu lassen. Denn es ist schon ein inhaltlicher Bruch, wenn solche wichtigen, bzw. bedeutsamen Worte, die man erst einmal bedenken muss, auf der einen Seite stehen und jetzt ich komme und Sie mit einem Grußwort in den Tag hinein führe. Das mache ich aber trotzdem natürlich sehr, sehr gerne.

Liebe Festgemeinde, sehr geehrte Gäste! Ich soll Sie ganz herzlich grüßen natürlich vom Ministerpräsidenten, aber auch von meinem Minister. Beide wären gerne hier gewesen, aus Zeitgründen ist dies jedoch nicht möglich. So fällt mir diese schöne Aufgabe zu, hier ein paar Worte an Sie zu richten.

Tatsächlich bin ich Staatssekretär für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Was macht man in dieser Funktion und diesem Zuständigkeitsbereich? Man schreibt keine Gesetze, Verordnungen, Runderlasse. Denn man kann gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht anordnen. Er muss aus der Gesellschaft selbst erwachsen. Es braucht Institutionen und Organisationen wie Sie es sind.

Sie führen Menschen seit 100 Jahren zusammen. Stützen die Schwachen, leben Inklusion und Nächstenliebe. Sie leben und fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das Mindeste, was ich als Staatssekretär für gesellschaftlichen Zusammenhalt also machen kann, ist anlässlich dieses Jubiläums zu Ihnen zu kommen und dafür zu danken, dass Sie meinen und den Job unseres Hauses erledigen.

Dies machen Sie bereits seit 100 Jahren. Ein Jahrhundert ist eine lange Zeit. Sie ist gefüllt mit den Lebensgeschichten von Menschen, die diese Gemeinschaft in einer politisch und gesellschaftlich tief bewegten Zeit aufgebaut, getragen und durch alle Höhen und Tiefen hindurch begleitet haben.

Was vor hundert Jahren durch Joseph Weißenberg und seine Zeitgenossen begründet wurde, hat Wurzeln geschlagen, die bis heute tragen.

Ein sichtbares und lebendiges Zeugnis ist die Friedensstadt Weißenberg. Sie steht als bleibendes Symbol für den johannischen Auftrag, praktizierte Nächstenliebe und spirituelle Heimat miteinander zu verbinden. Hier wird der Glaube im Alltag gelebt – durch soziales Engagement, gegenseitige Fürsorge und das unermüdliche Streben nach Frieden.

Eine der Lebensregeln der Johannischen Kirche lautet: „Arbeite so, dass du deinem Nächsten nutzen kannst.“

Die durch das Johannische Sozialwerk betriebenen Senioren-Pflege-Wohngemeinschaften sind ein Ausdruck gelebter Nächstenliebe. In allen Prüfungen der Aufsicht für unterstützende Wohnformen wurde das Personal durch die Bewohnenden ausdrücklich gelobt, ebenso die Arbeit der Leitung des ambulanten Pflegedienstes. Es ist schön, Hilfsbedürftige in guten Händen zu wissen.

Auch der Glauer Hof als Inklusionsobjekt trägt diesen Geist. Ich möchte allen danken, die an der Planung und Umsetzung dieses Projekts beteiligt waren. Durch Ihre Arbeit tragen Sie dazu bei, dass unsere Gesellschaft inklusiver und gerechter wird. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass solche barrierefreien Einrichtungen zum Standard werden und die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen bei Planungsprozessen von Anfang an berücksichtigt werden. Nur so können wir eine Gesellschaft schaffen, in der jeder Mensch sein volles Potenzial entfalten und vollumfänglich am öffentlichen Leben teilhaben kann.

Ein solches Jubiläum lädt dazu ein, dankbar zurückzublicken auf das, was gewachsen ist. Gleichzeitig öffnet es den Blick nach vorn, um mit Zuversicht und offenem Herzen die kommenden Wege zu gestalten. In der heutigen Welt, die oft von Unruhe, Polarisierung und Vereinzelung geprägt ist, ist es umso wichtiger, zusammenzuhalten. Gesellschaftlicher Zusammenhalt braucht Begegnung und Teilhabe.

Wo Menschen einander begegnen, Standpunkte austauschen und ihr Lebensumfeld mitgestalten, entstehen gegenseitiges Vertrauen, das Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft und schließlich gesellschaftlicher Zusammenhalt. Wie gesagt, Kirchen und ihre Gemeinden – auch Sie – tragen hierzu alltäglich bei. Das Fest heute ist ein weiterer Beleg dafür.

Jetzt habe ich eingangs gesagt: Sie erledigen unseren Job. Das darf natürlich nur die halbe Wahrheit sein: Auch wir als Ministerium haben unsere Arbeit zu erledigen.

Aber was können wir tatsächlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt tun? Wir können zunächst viel lernen: Wir können gute Ideen aufgreifen und sie bekannt machen. Wir können und müssen aber auch dort präsent sein, wo der Zusammenhalt bröckelt: Was sind die Gründe dafür, dass sich Menschen voneinander abwenden? Wo stellen Sie den Staat in Frage? Wo verstehen sie die Welt nicht mehr?

Wir müssen alltägliche Probleme schnell angehen: Wenn die in der Corona-Zeit entstandenen Lichterfahrten von Feuerwehren zur Weihnachtszeit auf einmal nicht mehr durchgeführt werden konnten, musste man – damals noch aus dem Innenministerium heraus – schnell gemeinsam mit dem Infrastrukturministerium eine Lösung finden. Aktuell befasse ich mich mit dem möglichen Einsatz von Assistenzhunden.

Und dann kommt die große Politik: Pflege-, Renten-, Eingliederungshilfe- und Gesundheitsreform. Der Reformdruck ist riesig: Die Kassen von Kranken- und Pflegekassen – Rentenversicherung – Bund, Ländern und Kommunen sind leer. Gleichzeitig kommen Einwände: Wenn eine solche Reform kommt, fallen die Schwachen hinten runter und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird zutiefst beschädigt.

Manchmal fühlt man sich bei den leeren Kassen eher wie ein Insolvenzverwalter. Aber wir sehen die Verantwortung, die Reformen so zu begleiten, dass sie trotz oder auch wegen der schwierigen finanziellen Lage zu einem guten Ende gebracht werden, ohne dass soziale Errungenschaften verloren gehen und der gesellschaftliche Zusammenhalt leidet.

Ich bin froh, dass Herr Kaczynski heute hier ist. Die LIGA und die dahinterstehenden Organisationen – also auch das Johannische Sozialwerk – sind dafür wichtige Partner.

Eine Leitlinie, die wir bei der Begleitung der Reformen stets verfolgen, möchte ich Ihnen noch mitgeben: Die Reformen müssen einen klaren Kompass haben. Denkt man beispielsweise an die Pflege, dann muss das Ziel sein, dass Pflegebedürftige möglichst lange zu Hause gepflegt werden. Wenn dabei richtigerweise gewollt ist, dass möglichst auch Angehörige die Pflege übernehmen, dann ist es vollkommen widersinnig, dass den pflegenden Angehörigen in der Folge die Rente gekürzt wird. Wir sind deshalb sehr froh, dass der Bund bei diesem Punkt der vorgesehenen Pflegereform offensichtlich umschwenkt.

Nimmt man das politische Ziel „Tariftreue“ und die Zahlung von Tariflöhnen, so ist es zunächst nicht verständlich, wenn Pflegediensten diese gezahlten Tariflöhne nicht refinanziert werden. Betonen möchte ich aber auch, dass gleichzeitig die auch dadurch verursachten sehr dynamischen Kostensteigerungen nicht aus dem Blick geraten dürfen. Hier bedarf es also eines wohlabgewogenen Kompromisses. Dies könnte z.B. die Orientierung am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) bzw. am Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) darstellen.

Aber nun zurück zu Ihnen: Sie stehen heute im Mittelpunkt. Ich danke allen Verantwortlichen, den ehrenamtlich Tätigen und der gesamten Gemeinde für ihren unermüdlichen Dienst am Nächsten und ihren Beitrag zu unserem gesellschaftlichen Miteinander.

Für die kommenden Festlichkeiten, die ökumenischen Begegnungen und die nächsten 100 Jahre wünsche ich der Johannischen Kirche, ihrer Kirchenleitung und allen Gläubigen von Herzen Gottes reichen Segen, Mut, Zuversicht und anhaltende Schaffenskraft. Möge dieses Jubiläumsjahr ein Fest der Freude und der Begegnung sein.

Vielen Dank!

Grußwort von Kai Wegner – Regierender Bürgermeister von Berlin (verlesen)

Ich gratuliere Ihnen herzlich zum 100-jährigen Bestehen der Johannischen Kirche. 1926 – das Gründungsjahr der Johannischen Kirche – fiel für unser Land und für Berlin in eine Zeit des Umbruchs. Einerseits war diese Zeit noch geprägt von den Schrecken des Ersten Weltkriegs, den Wirren der Nachkriegszeit und der Hyperinflation sowie den damit verbundenen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Belastungen der jungen Weimarer Republik. Andererseits war es auch eine Zeit des Aufbruchs und der Zukunftshoffnungen. In dieser Zeit entstanden wegweisende Neuerungen, die bis heute fortwirken. 1926 wurde der Berliner Funkturm eingeweiht, die Lufthansa wurde gegründet, Außenminister Gustav Stresemann erhielt den Friedensnobelpreis und Joseph Weißenberg gründete die Johannische Kirche.

Auch die Gründung der Johannischen Kirche und der Friedensstadt Weißenberg standen unter dem Eindruck der Kriegsfolgen sowie der Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Der Erste Weltkrieg hatte auch dazu geführt, dass sich viele Menschen Fragen nach Gott, Religion und Glaube neu stellten. Der Aufbau der Friedensstadt Weißenberg war auch eine Antwort auf diese Fragen und die Suche nach einem besseren Leben. Die Friedensstadt wurde zu einem Zentrum Ihrer Gemeinschaft – und sie ist es heute wieder. Viele Gläubige haben in der Gründungszeit für den Aufbau der Friedensstadt gespendet und sich mit Enthusiasmus dafür eingesetzt, diesen Ort der Johannischen Kirche zu schaffen.

Keine zehn Jahre nach ihrer Gründung wurde die Johannische Kirche von den Nationalsozialisten verboten. Es folgte die Schreckensherrschaft des NS-Regimes. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte Ihre Kirche das Gelände der Friedensstadt zu DDR-Zeiten nur eingeschränkt nutzen. Währenddessen fand die Johannische Kirche im westlichen Teil Berlins mit dem St.-Michaelis-Heim einen neuen Stammsitz. Erst nach 1990 kehrte Ihre Kirche auch an ihren angestammten Ort in der Friedensstadt Weißenberg zurück und begann damit ein neues Kapitel.

Heute können Sie und Ihre Kirche Ihren Glauben frei leben. Sie kommen in Ihren Gemeinden zum gemeinsamen Gebet zusammen - auch in Ihrem Jubiläumsjahr und beim Fest der Begegnung. Ich wünsche Ihnen eine schöne Feier, die die Bande Ihrer Gemeinschaft weiter festigen mögen: in der Friedensstadt Weißenberg, der Heimat der Johannischen Kirche.

Grußwort von Björn Christian Paterok – Beigeordneter und Leiter des Dezernats III des Landkreises Teltow-Fläming

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Johannischen Kirche, ich freue mich sehr, heute gemeinsam mit Ihnen das 100-jährige Bestehen der Johannischen Kirche feiern zu dürfen!

Ein Jahrhundert gelebter Glaube, Gemeinschaft und sozialer Verantwortung ist keine Selbstverständlichkeit. Dieses Jubiläum steht für Beständigkeit, aber auch für die Fähigkeit, sich immer wieder neuen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen und dabei den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken.

Die Friedensstadt Weißenberg ist dafür ein ganz besonderer Ort. Sie entstand aus der Idee, nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs einen Ort des Friedens, des Zusammenhalts und der gegenseitigen Unterstützung zu schaffen. Diese Grundgedanken haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen und viele Menschen nach Orientierung suchen, sind Orte der Begegnung und des Miteinanders von unschätzbarem Wert.

Mit dem heutigen „Fest der Begegnung“ setzen Sie genau dieses Zeichen. Menschen kommen zusammen – unabhängig von Herkunft, Alter oder persönlichem Lebensweg. Begegnung schafft Verständnis, Vertrauen und Gemeinschaft. Das ist eine wichtige Botschaft weit über dieses Jubiläum hinaus. Gerade in der heutigen Zeit ist das von besonderer Bedeutung. 

Wir erleben vielerorts gesellschaftliche Unsicherheiten, zunehmende Polarisierung und eine Entwicklung, bei der das Verbindende manchmal in den Hintergrund gerät. Umso wichtiger sind Orte und Veranstaltungen, die Menschen zusammenbringen, den Dialog fördern und gegenseitigen Respekt stärken. Gemeinschaft entsteht nicht von allein – sie lebt davon, dass Menschen aufeinander zugehen, Verantwortung übernehmen und einander zuhören. Das „Fest der Begegnung“ setzt dafür ein starkes und ermutigendes Zeichen.

Die Johannische Kirche gehört seit vielen Jahrzehnten zur Geschichte unseres Landkreises und prägt das gesellschaftliche Leben in der Region mit. Besonders hervorheben möchte ich das soziale Engagement, das weit über die eigenen Gemeinden hinauswirkt. Dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, entsteht ein starker gesellschaftlicher Zusammenhalt – und genau davon lebt auch unser Landkreis Teltow-Fläming. Beeindruckend ist zugleich die Geschichte der Friedensstadt selbst. Nach Zeiten der Zerstörung, des Verbots und jahrzehntelanger militärischer Nutzung wurde dieser Ort wieder mit Leben erfüllt. Dass dies gelungen ist, verdankt sich großem Engagement, Beharrlichkeit und dem festen Willen, Geschichte zu bewahren und Zukunft zu gestalten.

Ein Jubiläum wie dieses ist deshalb nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch zum Ausblick. Es erinnert daran, wie wichtig Werte wie Frieden, Solidarität, Mitmenschlichkeit und Verantwortung für unser Zusammenleben sind. Diese Werte tragen auch heute unsere Gesellschaft und bleiben Grundlage für eine gute gemeinsame Zukunft.

Mein herzlicher Dank gilt allen, die dieses Fest vorbereitet haben und sich tagtäglich für die Gemeinschaft in der Friedensstadt und darüber hinaus engagieren. Ich wünsche Ihnen, dass die Johannische Kirche auch in Zukunft ein Ort der Hoffnung, des Zusammenhalts und der Menschlichkeit bleibt – ein Ort, an dem Menschen Gemeinschaft erfahren, Orientierung finden und füreinander da sind.

Für die kommenden Jahre wünsche ich Ihnen weiterhin Kraft, Zuversicht und viele Menschen, die Ihre Arbeit unterstützen und mit Leben füllen. Möge die Friedensstadt Weißenberg auch künftig ein Ort der Begegnung bleiben, an dem Frieden, Respekt und gegenseitige Verantwortung spürbar gelebt werden.

Grußwort von Ronny Haase – Bürgermeister von Trebbin

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste, ich möchte auch noch einmal alle ganz, ganz herzlich hier begrüßen in der Friedensstadt, in dem Moment ja auch in Trebbin hier bei uns!

100 Jahre gibt es die Johannische Kirche nun schon. Dabei war es nie das Ansinnen des Kirchengründers, eine eigene Glaubensgemeinschaft zu initiieren. Vielmehr sollte die damalige religiöse Gemeinschaft aufgerüttelt werden, Veränderungen zuzulassen, wie 409 Jahre zuvor durch Martin Luther. Da jedoch seine Worte bei den damaligen religiösen Leitungen keinen Zuspruch fanden, ist die Johannische Kirche entstanden.

Sie ist geprägt von einem tiefen christlichen Verständnis der Nächstenliebe und der Fürsorge füreinander. Gebet und Arbeit waren in früheren Zeiten bedeutender und wichtiger als heute. Diese sogenannten Lebensstützen bildeten auch den Kern des Gedankens zur Schaffung dieser Friedensstadt. Einer Stadt, in der Gebet und Arbeit dicht beieinander liegen, um später auch im Jenseits einen Platz zu finden.

Diese Gemeinsamkeit verbindet die Religionen Judentum, Christentum und Islam miteinander. Und wo es unterschiedliche Menschen gibt, gibt es unterschiedliche Wege. Und doch kreuzen sich die Wege immer wieder miteinander, man geht Teile des Wegs gemeinsam und man trennt sich wieder. So ist es vor 100 Jahren eben auch geschehen, als die Johannische Kirche gegründet wurde.

Hier in der Nähe von Berlin hat sie nun einen festen Platz eingenommen. Hier laufen Christen aus mehreren Konfessionen mehr oder weniger nebeneinander auf gemeinsamen und unterschiedlichen Wegeabschnitten. Vielmehr ist aber die Johannische Kirche ein wichtiger Teil in der Region geworden. Mit dieser Friedensstadt ist ein bedeutendes Zeichen des johannischen Glaubens für die Menschen sichtbar geworden. Und für die Stadt Trebbin als Gebietskörperschaft ist die Johannische Kirche eine verlässliche und gute Partnerin geworden. Dafür danke ich.

Dabei reichen die Verbindungen über das bloße nebeneinander Existieren hinaus. Gemeinschaftlich werden für die westlichen Bereiche der Stadt Feuerwehren, Kitas, Senioreneinrichtungen betreut. Als Bürgermeister danke ich dafür, dass ein Anruf genügt, und die Unterstützung und Hilfe steht bereit. Das Ziel eint uns nämlich, den Menschen einen guten Ort zum Leben und Arbeiten zu geben.

Die Friedensstadt, war nicht immer frei, aber sie darf heute frei besucht werden und hier kann frei gelebt und gearbeitet werden, Sie ist über die Grenzen der dazugehörigen Ortsteile Blankensee und Glau hinaus ein Angebot für alle Bürgerinnen und Bürger entstanden. Sei es in der gesundheitlichen Versorgung, in der gastronomischen Versorgung, in der sozialen Versorgung, in der kulturellen Versorgung oder eben in der allgemeinen Versorgung. Die Friedensstadt als ein Zentrum der johannischen Kirche ist ein wichtiger Ort in und für Trebbin.

Und auch die Johannische Kirche ist wichtig für Trebbin. Es gibt viele Lehren vom menschlichen Zusammensein. Alle fußen aber auf ein gutes und friedliches Miteinander in Liebe und in Dankbarkeit und gegenseitige Fürsorge. Die Achtung voreinander und das Akzeptieren von unterschiedlichen Ansichten wird den Menschen gelehrt. Es gibt dabei humanistische Ansätze, aber auch vor allem die religiösen Grundsätze, wie sie durch die 10 Gebote und die Lehren von Jesus Christus vermittelt werden. 

Als Religionsgemeinschaft vermittelt die Johannische Kirche genau diese menschen- und umweltachtenden und -liebenden Grundpfeiler des Zusammenlebens und bilden für viele eine Richtschnur im Umgang untereinander, verbunden mit dem Glauben auf das Jenseits.

Die Wege, die sich zwischendurch trennen und sich auch mal wieder kreuzen, führen am Ende wieder zusammen, um das Ziel zu erreichen. Ich wünsche der johannischen Kirche und den Menschen, die mit ihr auf dem Weg unterwegs sind, die auch mal andere Pfade gehen, und später wieder gemeinsam gehen, alles Gute. Ich freue mich auf die weiterhin sehr gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Stadt und wünsche für diese Fest und die zukünftigen Jahre alles Gute und Gottes Segen.

Grußwort von Andreas Kaczynski – Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Brandenburg e.V.

Sehr geehrter Herr Tzschentke, sehr geehrter Herr Stolpe, lieber Herr Elsner, sehr geehrte Gäste!

Ein Jahrhundert – eine ganze Welt liegt zwischen der Gründung der Johannischen Kirche im Jahr 1926 durch Joseph Weißenberg und dem heutigen Festtag. Ein Jahrhundert voller Brüche und Kontinuität, voller Herausforderungen und unbeirrbaren Glaubens, voller Verfolgung und Auferstehung. Ein Jahrhundert, das die Geschichte Deutschlands in all ihren Wunden und ihrer Hoffnung widerspiegelt.

Wir gratulieren der Johannischen Kirche und ihrem diakonischen Ausdruck, dem Johannischen Sozialwerk, von ganzem Herzen zu diesem Jubiläum – und wir sind dankbar, dass wir einen Teil des Weges mit Ihnen gemeinsam gehen durften.

Gründung: Eine Kirche der Überbrückung

Joseph Weißenberg ging es von Anfang an um die „Überbrückung der Konfessionen durch die Liebe!“ Mehr noch: Er stand für einen interreligiösen Dialog. Eine Haltung, die zu seiner Zeit durchaus ungewöhnlich, wenn nicht gar radikal war. Die Achtung und Brüderlichkeit gegenüber jedem anderen Glauben und jeder anderen Religionsgemeinschaft wurde in den großen Konfessionen erst viel später, in der Katholischen Kirche etwa durch das Zweite Vatikanische Konzil - also 40 Jahre später - festgeschrieben. Joseph Weißenberg war seiner Zeit voraus und zugleich ein „Kind seiner Zeit“, denn gerade in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es zahlreiche Aufbrüche und gesellschaftliche Experimente.

So wie die Friedensstadt, das Modell einer anderen, solidarischen und friedlichen Gesellschaft, die auf gelebter Gemeinschaft beruht. Bis heute finden sich Spuren dieser „Bewegungen“ und auch die eine oder andere Mitgliedsorganisation im Paritätischen fußt auf solchen Aufbrüchen. Aufbrüche, die von den Nazis dann jäh beendet wurden, um ihr völkisches und mörderisches Denken durchzusetzen. Für Joseph Weißenberg, der an seinen Überzeugungen festhielt, hatte das dramatische Konsequenzen. Aber auch die rund 300 Gemeinden mussten in den Untergrund gehen und die Friedensstadt wurde enteignet.

Wiederaufbau nach Dunkelheit

Doch die Idee lebte weiter, die Kirche lebte weiter und das beeindruckte sogar die sowjetischen Besatzer. Eine Geschichte, die mich sehr berührt hat, als ich sie das erste Mal hörte. Sie zeigt, dass Liebe den Hass überwindet und Versöhnung stiftet. Und zum diakonischen Handeln herausfordert: Frieda Müller gründete 1946 das Soziale Hilfswerk der Kirche, 1954 entstand das Johannische Aufbauwerk, das seit 1990 Johannisches Sozialwerk heißt. Und noch im selben Jahr stand das Sozialwerk in der Person von Johannes Molch und Hans-Jürgen Klavehn an der „Wiege des Paritätischen“ Brandenburg, denn es gehört zu seinen Gründungsmitgliedern. Deshalb verdanken wir der Johannischen Kirche nicht nur die auch den Paritätischen tragenden Werte Vielfalt, Toleranz und Offenheit, sondern auch unsere Geburt. Dafür an dieser Stelle ein großes Danke!

Was bedeutet das heute?

Wir leben in einer Zeit, die polarisiert ist, in der viele Menschen nach Orientierung suchen und erneut radikale Kräfte erstarken, Menschen ausgegrenzt werden. Wir sind gerade jetzt gemeinsam gefordert, ein klares, vernehmbares Bekenntnis zu Menschenwürde und der Achtung gegenüber ALLEN Menschen in diesem Land abzugeben. Wir haben vor zwei Jahren mit hunderten Unternehmen, Verbänden und Vereinigungen das Bündnis „Brandenburg zeigt Haltung“ gegründet. Eine Haltung, die im Alltag gelebt werden will. Die Johannische Kirche setzte und setzt bis heute sichtbare Zeichen der Solidarität und Gemeinschaft. So ist die Friedensstadt mehr als eine Siedlung. Sie ist auch ein Leuchtturm in einer Zeit, die aufgewühlt ist. Sie zeigt: Liebe überbrückt Konfessionen. Achtung überwindet Fremdenhass. Gemeinsame Menschlichkeit ist stärker als Spaltung. Das ist kein romantischer Traum. Das ist gelebte Wirklichkeit, bewährt in hundert Jahren Geschichte, in Verfolgung und Aufbau, in Teilung und Wiedervereinigung.

Danke dafür und noch einmal Herzliche Glückwünsche! Wir sind stolz, Sie in unserem Verband zu wissen.